Tillandsie (Tillandsia): Allgemeines & Geschichte

Tillandisen sind zierliche, recht unscheinbare und doch zauberhafte Zimmerpflanzen. Sie wirken vorallem sehr interessant durch ihre erdlose Kultur. Im Handel werden diese Pflanzen häufig auf Steinen oder Ästen aufgeklebt verkauft.

Eingeteilt werden Tillandsien in unzählige grüne und graue Arten, welche alle sehr dekorativ aussehen und bei guter Pflege wunderschöne, farbenfrohe Blüten hervor bringen. Ein Vorteil der Tillandsie ist auch das sehr platzsparende Wachstum.

Systematik der Tillandsie

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[01] Photo by HK James Ho

Die Tillandsien, auch Luftnelken genannt, besitzen mehr als 500 Arten. Sie reihen sich in die Klasse der Einkeimblättrigen (Liliopsida) sowie in die Unterklasse der Commelinaähnlichen (Commelinidae) ein. Ihre Ordnung sind die Süßgrasartigen (Poales).

Wie auch die Ananas gehört die Tillandsie zur Familie der Bromeliengewächse (Bromeliaceae). Ihre Unterfamilie sind die Tillandsioideae. Die Gattung selbst nennt sich Tillandsien (Tillandsia).

Ihren lateinischen Namen 'Tillandsia' verdankt die exotische Pflanze dem finnischen Botaniker Elias Tillanz. Nach ihm wurde diese Pflanzengattung benannt.

Geschichte der Tillandsie

Die erste bekannte Art der Bromeliengewächse war die Ananas, welche Christoph Kolumbus 1493 auf Guadeloupe kennen gelernt hat und nach Europa brachte.

1623 wurde von Caspar Bauhin die Gattung Tillandsia erforscht. Daraufhin dokumentierte Carl von Linné die erste Art: Tillandsia utriculata. Diese wurde von den beiden Herrn als große sowie nelkenartige Mispel bezeichnet, wodurch der sonderbare Name "Luftnelke" entstand.

Im 19. Jahrhundert nahm die Anzahl der Tillandsien-Freunde stark zu. Die kleine, faszinierende Pflanze wurde sehr gern als Dekoration gekauft und gesammelt. Belgien erlangte durch seine Tillansienzuchten einen immer höheren Bekanntheitsgrad bei den Sammlern.
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[02] Photo by HK James Ho

Zwei leidenschaftliche Tillandsienforscher waren z.B. Eduard Morren und Carl Friedrich Philipp von Martius.

Eduard Morren forschte sehr intensiv im Bereich der Bromelien und Tillandsien. Er sammelte leidenschaftlich viele Arten und veröffentlichte etwa 250 Zeichnungen von verschiedenen Bromelien.
Ebenso beschäftigte sich Carl Friedrich Philipp von Martius aus Deutschland mit Tillandsien und Bromelien. Er sammelte über 7.000 Arten und erforschte sie gründlich.

Ab Ende des 19. Jahrhunderts wurde eine intensive Pflanzenzucht mit den Gattungen der Vriesea sowie Billbergia betrieben. Die farbenfrohen Vriesea-Arten findet man heute sehr häufig in den Geschäften. Die Billbergia dagegen ist sogut wie nicht mehr erhältlich, da ihre Blüten zu kurzlebig waren.

Tillandsien aus Wildbeständen

Auch die Nachfrage der Tillandsien wuchs ab dem 19. Jahrhundert sehr stark. Da die Anzucht aus Samen recht schwierig ist, werden viele Arten direkt aus den Wildbeständen der Ursprungsländern (Mexiko und Mittelamerika) entnommen. Schon über 30 Tillandsien-Arten sind in ihrer Heimat bedroht.

Tillandsien werden oft importiert und sterben zum Teil schon während der langen Transportstrecke. Die Händler kleben die noch lebenden Pflanzen zur Dekoration auf Äste oder Steine, welche so in die Geschäfte gelangen.

Das Wegwerfobjekt Tillandsie?

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[03] Photo by HK James Ho

Vorallem zu Weihnachten sind Tillandsien sehr beliebte Geschenke. Auf den Weihnachtsmärken werden sie in unzähligen Varianten angeboten.

Die kleinen Pflänzchen scheinen auf den ersten Blick sehr dekorativ und vorallem pflegeleicht, da sie kein Substrat benötigen und "nur" mit Wasser besprüht werden müssen.

Der erste Eindruck stimmt jedoch nicht ganz - Tillandsien sind zwar nicht extrem schwer, aber auch nicht kinderleicht zu pflegen. Eine gewisse Erfahrung und etwas Einfühlungsvermögen gehören beim Besitzer auf jeden Fall dazu.

Eine Tillandsie, egal ob aus dem Ursprungsland entnommen oder auf großen Farmen gezüchtet, ist auf keinen Fall ein Wegwerfobjekt. Sie ist eine sehr wertvolle Pflanze und sollte deshalb nur an erfahrende Pflanzenfreunde verschenkt werden.